.

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Home erlebnisberichte saison 2012 French Alps 2012

French Alps 2012

E-Mail Drucken
Benutzerbewertung: / 14
SchwachPerfekt 



"Meine Beine sind extrem!
Ich bin extrem!
Das passt!"





...dieses Zitat las ich einige Tage vor unsere Tour in die French Alps in einem Interview mit Bahnrad-Sprinter Robert Förstemann. Auch wenn meine Beine nicht ganz so extrem sind und aller Wahrscheinlichkeit auch niemals extrem sein werden, so begleitete mich/uns dieser Spruch fortlaufend durch den Urlaub in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur.


Unser Basislager richteten wir in Guillestre ein. Das Hotel namens "La Bonne Auberge" erwies sich schon nach kurzer Zeit als Volltreffer. Zum relativ jungen Personal, das uns insbesondere beim Abendessen immer wieder zu überraschen vermochte, war schnell ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. Auf dem weitläufigen Hotelareal mit Panoramablick auf die Alpen konnte man es, ausserhalb unsere Zweiradaktivitäten, sehr gut aushalten. Von hier aus starteten wir an 6 Tagen zum Pässefahren.


1. Fahrtag: Guillestre -> pre de madame carle -> Guillestre

Mit knapp 120 Kilometern und über 2500hm viel der Einrolltag sehr üppig aus. Eine hügelige An- bzw. Abfahrt zur Madame Carle sorgten für kurzzeitiges Schweißtreiben. Die Auffahrt und für mich erster langer Anstieg nach zwei Jahren, war anspruchsvoll. Jan, Achim und ich legten noch einen Abstecher ein, bevor wir den Rest der Gruppe wiedertrafen. Zwei kurze Schauer am Ende der Tour konnten uns die gute Laune nicht verderben.


2. Fahrtag: Guillestre -> Ceillac -> Risoul 1850

Nach kurzem Einrollen setzte der Regen ein. Bereits auf dem ersten Anstieg nach Ceillac machte die halbe Truppe kehrt. Nachdem Jan, Achim und ich das Passfoto geschossen hatten, starteten wir in die kaltnasse Abfahrt. Im Dauerregen strampelten wir zurück zum Hotel, entschieden uns dann aber noch, die 11 Kilometer hinauf zum, von Wolken umgebenen, Risoul 1850, unseren Hausberg, in Angriff zunehmen.


3. Fahrtag: Guillestre -> Col de Vars -> Pontis -> Risoul 1850

Nach der morgentlichen kurzen Abfahrt vom Hotel hinunter nach Guillestre, starteten wir ummittelbar über die Nordrampe von Guillestre (19 km / 1109 Hm), mit der Auffahrt zum Col de Vars. Ich hatte gute Beine und setzte mich zügig vom Rest der Gruppe ab. Neben uns fuhren sehr viele Radler an diesem Tag den Klassiker. Vom Moutainbiker, über Rennradfahrer bis zum schwer bepackten Randonneur war alles vertreten. Oben fanden wir uns wieder zusammen und setzten zu sechst unsere Runde fort. Beeindruckend war die Abfahrt auf der Südseite.

In Barcelonette verabschiedete ich mich, da mir die Taktfrequenz der Zwischenstopps der Gruppe zu hoch erschien. Nun ging es fast 40 Kilometer leicht bergab, wovon man beim starken Gegenwind aber wenig merkte. Angekommen am Lac de Serre-Ponçon, dem größten Trinkwasserreservoir Europas, stand der zweite Pass an diesem Tag an, der Col de Pontis. Dieser beeindruckt mit seinen durchschnittlichen 9-10% auf knapp 6 Kilometern. Während die Kurbel bei über 30 Grad langsam aber gleichmäßig kreiste, wurde man mit einmaligen Blicken auf den See belohnt. Der Anstieg kostete neben viel Kraft auch sämtliche Trinkwasserreserven, die ich noch an Board hatte.

Nachdem ich eine Gelegenheit gefunden hatte, die Pullen zu füllen, ging es hauptsächlich talabwärts weiter in Richtung Nordosten. Bei Baratier rollte ich über eine hügelige Panoramastrecke, die parallel zur Route de National verläuft. In Guillestre angekommen, entschied ich mich noch ein weiteres Mal hoch nach Risoul 1850 zu radeln. 


4. Fahrtag: Col d´Izoard -> Sommet Buchet -> Risoul 1850

Zu sechst starteten wir aus Richtung Süden zum Col d`Izoard, der ca. 3 Kilometer vor der Passhöhe mit seiner bizarren, mondähnlichen Wüstenlandschaft (Casse Deserte) beeindruckt. Ich genoß den Anstieg, während die Beine noch versuchten den Vortag zu verarbeiten. 


Nachdem alle oben angekommen waren, entschied sich ein Teil der Gruppe noch den Sommet Buchet in Angriff zunehmen. Dieses Vorhaben scheiterte nach der halben Strecke, da sich die schlaglochdurchzogene Strasse nun völlig auflöste und in eine Schotterpiste verwandelte. Wir kehrten um. Nun ging es mit Volldampf durchs Tal zurück in Richtung Guillestre. Da wir noch gut in der Zeit lagen, strampelten Achim und ich noch unseren Hausberg.


5. Fahrtag: Col d´Agnel - Ostende Guiltal - Risoul 1850

Auf zum Col d´Agnel, der an seiner höchsten befahrbaren Stelle, die ich nach 1 Stunde 35 erreichte, beeindruckende 2746 Meter ü.NN. misst. Die Auffahrt über die Westrampe ab Ville-Vieille (21 km / 1370 Hm) war gigantisch, in vielerlei Hinsicht. Während sich die ersten 11 Kilometer mit 5-8% noch relativ locker bewältigen ließen, zog es dannach immer wieder so richtig an. Der Boardcomputer zeigte immer wieder Steigungen jenseits der 10-12% an. Zum Glück hatte ich morgens die Passbeschreibung überflogen und zu diesem Zeitpunkt bereits die notwendige Energie in Form eines Gels nachgetankt. Die Umgebung wurde felsiger, die Blicke immer weiterläufiger.

Heute hatten wir unseren persönlichen Radiq-Fotografen dabei. Oli, der aus gesundheitlichen Gründen pausierte, lauerte mit seiner Cam an jeder dritten Rampe und entlockte uns trotz körperlicher Höchstanstrengung, das ein oder andere gequälte Lächeln.


Mit Jan begab ich mich auf die Weiterfahrt. Wir radelten das Guiltal bis zu dessen Ende in Richtung Osten weiter. Bei stetigen 1-2, kurzzeitig auch 3-4% Steigung, begrüßten wir den Rückenwind, der unsere Tachonadeln nur selten unter die 30km/h Marke fallen ließ. Uns war klar, dass die Rückfahrt schweißtreibend ausfallen würde. Im stetigen Wechsel genoßen wir die kurzen Pausen im Windschatten des anderen, während wir auf der Fahrt in Richtung Guilleste nach und nach die anderen Radiq`ler trafen.

Zurück am Hotel folgte ich meinem täglichen Ritual und kurbelte mich noch die weiteren 11 Kilometer nach Risoul 1850 hoch.


6. Fahrtag: Cime de la Bonette -  Lac de Serre-Ponçon - Guillestre

Wir reisten mit dem Auto bis nach Jausiert. Zu dritt gings los, wobei sich das Trio direkt aufteilte, da wir uns unmittelbar im Anstieg der Nordrampe befanden. Es galt 24 Kilometer und 1500 Meter Höhendifferenz zu überwinden. Während Action-Fotograf Oli wieder mit seiner Cam auf mich schoß, konzentrierte ich mich auf mein Primärziel: Unter 2 Stunden die Cime zu erreichen. Was zur Folge hatte, dass auch auf flacheren Stücken nicht getrödelt werden durfte. Landschaftlich beeindruckte die Strecke ab der zweiten Hälfte ganz besonders.

Nachdem der letzte Kilometer mit 12-14% überwunden war, befand ich mich nach 1 Stunde und 50 Minuten am Gedenkstein. Mit mir ungefähr 30 Radfahrer, 20 Mopeds und jede Menge Touris, die mit dem Wagen angereist waren. Nach einem kleinen Snack klopfte mir Jan auch schon auf die Schulter. Auf zum Fotoshooting!


Zu Zweit fuhren Jan und ich, zum Ausklang unserer Frankreichtour nochmal die Seerunde. Den Pontis ließen wir auf dieser Tour rechts liegen und bevorzugten es, der Uferstrasse zu folgen. Überrascht waren wir, dass es auch hier nochmal kräftig hinauf ging. Nachdem der letzte große Anstieg überwunden war, belohnte wir uns mit einer kurzen Pause. Nun waren es noch gute 30 Kilometer bis zum Hotel. Kurz nach der Weiterfahrt machte mich Jan darauf aufmerksam, dass sein Umwerfer gerade eben gebrochen war und der nur noch auf dem kleinen Blatt fahren konnte. So zog sich das letzte Stück dann doch noch ein wenig, was uns die gute Laune aber nicht verderben konnte.


Zusammenfassung:

Gute 700 km Rennradspaß und fast 16000 hm, verteilt auf 11 nennenswerte Steigungen. Eine sehr geile Woche mit den Radiq`lern, auch wenn einige wichtige Stammfahrer in diesem Jahr leider nicht dabei waren.









 



 
Kommentare (2)
joa
2 Montag, den 20. August 2012 um 16:11 Uhr
count
Sehr gute Leistung, Herr Beck!! Und sehr gut beschrieben.... ! 5Sterne de Luxe.
Gefällt
1 Montag, den 20. August 2012 um 10:50 Uhr
Bumblebee
Sehr schöner Erinnerungsauffrischer... :-) Gefällt sehr gut!

LG
Jan

Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:
Titel:
Kommentar:

Besucher

heute:377
gestern:550
gesamt:379274

Blog Kalender

 Mai   Juni 17   Jul

SMDMDFS
   1  2  3
  4  5  6  7  8  910
11121314151617
18192021222324
252627282930 
Julianna Walker Willis Technology

Verwandtes

Zufallsbild